Kreta, von Knossos nach Balos

Die größte Insel Griechenlands verbindet minoische Paläste, venezianische Häfen, Schluchten und Strände mit rosa Sand. Diese Reise von neun Tagen beginnt in Heraklion und endet in Chania, über die Lasithi-Hochebene, die Südküste und den äußersten Westen.

Griechenland
Weite Landschaften Herbst Eine Woche und mehr Zu zweit Höhepunkte
Die Balos-Lagune aus der Luft, zwischen Kap Tigani und den Gramvousa-Inseln.
Die Balos-Lagune aus der Luft, zwischen Kap Tigani und den Gramvousa-Inseln.

Von den Hochebenen zum Libyschen Meer

Nur eine große Straße führt an der Nordküste entlang; fast überall sonst fährt man in Serpentinen. Es geht hinauf zur Lasithi-Hochebene, einer geschlossenen Ebene auf 840 Metern, wo früher rund 10.000 Windmühlen mit weißen Segeln das Wasser für die Felder pumpten. Dann führt die Straße hinunter zum Libyschen Meer, durch die Olivenhaine der Messara bis nach Matala, wo Höhlen in die Felswand gehauen sind.

Weiter westlich führt die Straße nach Sfakia in Haarnadelkurven an der Imbros-Schlucht entlang steil bergab, mit dem Meer vor Augen. Unten steht Frangokastello, eine viereckige venezianische Burg, direkt an einem Strand.

Der Westen ist das Kreta der Strände. Eine Piste führt hoch über die Balos-Lagune, zu der man zu Fuß hinuntergeht. In Falasarna liegt der antike Hafen auf dem Trockenen, mehrere Meter über dem Meer, wohl durch das Erdbeben von 365 angehoben. In Elafonisi ist der Sand stellenweise rosa, und zur kleinen Insel geht man durchs Wasser.

Der Nordportikus von Knossos mit seinen roten Säulen und dem Stierfresko.

Die minoischen Paläste

Die Minoer beherrschten Kreta in der Bronzezeit, lange vor dem klassischen Griechenland. Ihre Paläste waren Wohnsitz, Lager und Kultort zugleich. Der größte, Knossos, liegt 5 Kilometer von Heraklion entfernt. Der englische Archäologe Arthur Evans grub ihn ab 1900 aus und baute Teile davon in Beton wieder auf, mit roten Säulen und Kopien der Fresken. Dieser Wiederaufbau ist bis heute umstritten. 2025 wurden sechs minoische Stätten, darunter Knossos, Phaistos und Malia, in die Welterbeliste der Unesco aufgenommen.

In Malia, direkt am Meer, wurde der Palast nicht wieder aufgebaut. Phaistos steht auf einem Hügel gegenüber dem Ida-Gebirge. Der Italiener Luigi Pernier fand dort 1908 den Diskos von Phaistos, dessen Zeichen mit Stempeln eingedrückt sind. Niemand hat ihn je entziffern können. Er ist im Museum von Heraklion ausgestellt, zusammen mit den Fresken von Knossos.

Der Überlieferung nach wurde Zeus als Kind in einer kretischen Höhle versteckt, um ihn vor seinem Vater Kronos zu schützen: in der Höhle des Dikti über der Lasithi-Hochebene oder in der Höhle am Ida. König Minos soll den Minotaurus in ein Labyrinth gesperrt haben, das Dädalus gebaut hatte.

Venedig hielt Kreta mehr als vier Jahrhunderte lang.

Von den Venezianern zur Vereinigung mit Griechenland

Venedig hielt Kreta mehr als vier Jahrhunderte lang. Es hinterließ den Koules in Heraklion, die Fortezza in Rethymno und den Hafen von Chania. Die Osmanen landeten 1645 und nahmen Chania ein. Candia, das heutige Heraklion, fiel erst 1669, nach mehr als zwanzig Jahren Belagerung. Die Janitscharen-Moschee in Chania wurde gleich nach der Eroberung gebaut.

Die Kreter erhoben sich mehrmals. Im November 1866 sprengten die Belagerten im Kloster Arkadi das Pulvermagazin, statt sich zu ergeben. Das Drama bewegte ganz Europa; Victor Hugo setzte sich für die Kreter ein. 1913 kam Kreta zu Griechenland.

Der Palmenhain von Preveli und sein Fluss, bis zum Strand am Libyschen Meer.

Preveli

Agios Vasileios, Kreta · 35 Minuten von Spili

Durch die Kourtaliotiko-Schlucht erreicht man einen von Palmen gesäumten Fluss, der ins Libysche Meer mündet. 1941 versteckte das nahe Kloster alliierte Soldaten, die später mit einem U-Boot evakuiert wurden.

Praktische Hinweise

Wann hinfahren
Ende Mai bis Juni und September bis Oktober. Im Juli und August ist es sehr heiß, und an der Nordküste weht ein starker Wind.
Anfahrt
Flughäfen in Heraklion und Chania, Fähren ab Piräus. Wer den Wagen am anderen Flughafen zurückgibt, zahlt oft einen Aufpreis.
Zugang
Alles asphaltiert außer der Piste nach Balos, die in Mietverträgen oft ausgeschlossen ist. An der Schnellstraße im Norden wird stellenweise gebaut. Die Bergstraßen sind eng, man kommt nur langsam voran.
Im Van schlafen
Wildcampen ist in Griechenland verboten, auch mit dem Wohnmobil. Im Westen gibt es nur wenige Campingplätze.
Gut zu wissen
Knossos besucht man am besten gleich zur Öffnung. Geparkt wird außerhalb der Altstädte. Die Samaria-Schlucht ist nur etwa von Mai bis Ende Oktober geöffnet und schließt bei schlechtem Wetter: am Vortag nachfragen.
Zeitbedarf
Neun Tage. Einen mehr, um die Samaria-Schlucht zu durchwandern, einen oder zwei für den äußersten Osten.
Elafonisi aus der Luft: die Lagune und die Sandbänke zwischen der Küste und der kleinen Insel.
Elafonisi aus der Luft: die Lagune und die Sandbänke zwischen der Küste und der kleinen Insel.

Was man nicht verpassen sollte

  1. 1Das Archäologische Museum HeraklionDie Fresken von Knossos und der Diskos von Phaistos.
  2. 2SpinalongaEine venezianische Festung auf einer kleinen Insel, von 1904 bis 1957 Leprakolonie, mit dem Boot ab Elounda oder Plaka.
  3. 3GortynEin Gesetzestext aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., jede zweite Zeile von rechts nach links in den Stein gemeißelt.
  4. 4MatalaHöhlen in der Felswand, erst römische Gräber, später Zuflucht der Hippies.
  5. 5Die Samaria-SchluchtSechzehn Kilometer bis zum Meer, oder nur ein Stück hinunter ab Xyloskalo.
  6. 6Die Balos-LaguneTürkisfarbenes Wasser zwischen zwei Kaps, erst von oben ansehen, dann hinuntergehen.

Kreta in Bildern

Die Janitscharen-Moschee mit ihren Kuppeln am venezianischen Hafen von Chania.

Die kretische Küche

Die kretische Küche beruht auf Olivenöl, Gemüse und Wildkräutern. Dakos ist ein Gerstenzwieback mit geriebener Tomate und Mizithra, einem Frischkäse. In den Bergen gart das Lamm antikristo an Spießen rund um das Feuer.

Nach dem Essen bekommt man oft einen Tsikoudia spendiert, den Tresterbrand, den man auch Raki nennt. Der Olivenbaum von Vouves, westlich von Chania, ist mindestens 2.000 Jahre alt; aus seinen Zweigen wurden Kränze für die Olympischen Spiele 2004 in Athen geflochten.

Zu diesem Artikel gehört eine Route

Iraklio → Chania

9 Tage 814 km ≈ 17 h Fahrt
Die Etappen
  1. 1Αρχαιολογικό Μουσείο Ηρακλείου · Ανάκτορο της Κνωσού · Αρχαιολογικός Χώρος Μαλίων · Οροπεδίο Λασιθίου
  2. 2Δικταίο Άντρο · Λίμνη Βουλισμένη · Ελούντα Λασιθίου · Κάστρο της Ιεράπετρας
  3. 3Γόρτυνα · Φαιστός · Μάταλα Ηρακλείου
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