Die deutsche Ostseeküste, von Lübeck nach Stralsund
Backsteinstädte der Hanse, Seebäder mit weißen Villen und Halbinseln zwischen Meer und Bodden. Eine Woche an der deutschen Ostseeküste, von Lübeck nach Stralsund.
Zwischen Meer und Bodden
Die deutsche Ostseeküste fährt man von West nach Ost ab, von Lübeck nach Stralsund. Es ist eine flache Küste: Sandstrände, Kiefernwälder, ein paar Steilufer aus Lehm. Man fährt von einer Stadt aus rotem Backstein zu einem Seebad mit weißen Villen. Die meisten Seebäder haben ihre Seebrücke, einen langen Steg hinaus aufs Meer.
In Travemünde führt ein Weg 4 Kilometer am Brodtener Steilufer entlang. Gegenüber, auf dem Priwall, liegt die Passat, ein Viermaster von 1911, der 39-mal Kap Hoorn umrundet hat. Eine Autofähre bringt einen in wenigen Minuten über die Trave.
Weiter östlich trennt die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst das Meer von den Bodden, flachen Lagunen. Hier sieht man reetgedeckte Häuser, die bemalten Kapitänstüren in Prerow und das Steilufer von Ahrenshoop, wo sich Ende des 19. Jahrhunderts Maler niederließen. Zwischen Ahrenshoop und der Nordspitze reicht der Darßwald bis an den Weststrand, einen etwa 14 Kilometer langen Naturstrand. Wald und Strand gehören zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft; man erreicht sie zu Fuß oder mit dem Fahrrad von den Parkplätzen aus. Im Herbst übernachten Zehntausende Kraniche in den Bodden.

Die Städte der Hanse
Im Mittelalter gehörten Lübeck, Wismar, Rostock und Stralsund zur Hanse, einem Bund von Kaufmannsstädten, der den Handel auf Ost- und Nordsee beherrschte. In einer Gegend, in der es kaum Stein gibt, bauten sie alles aus Backstein. Ihr Reichtum zeigt sich bis heute in ihren Kirchen und Rathäusern. In Stralsund hat das Rathaus eine Schaufassade: eine hohe Giebelwand mit Öffnungen, die über das Dach hinausragt und zum Alten Markt zeigt.
Die Marienkirche in Lübeck, um 1351 vollendet, wurde zum Vorbild für etwa siebzig Backsteinkirchen rund um die Ostsee. Ihr Gewölbe ist 38,5 Meter hoch. Das Holstentor, das 1478 fertiggestellte Stadttor, ist das Wahrzeichen Lübecks. In der Rostocker Marienkirche steht eine astronomische Uhr von 1472, die bis heute läuft. Lübeck steht seit 1987 auf der Welterbeliste, Wismar und Stralsund seit 2002.
Von 1648 bis Anfang des 19. Jahrhunderts gehörten Wismar und Stralsund zu Schweden. 1803 verpfändete Schweden Wismar an Mecklenburg; endgültig verzichtete es erst 1903 auf die Stadt.
Ihr Reichtum zeigt sich bis heute in ihren Kirchen und Rathäusern.
Heiligendamm und die Seebäder
1793 gründete der Herzog von Mecklenburg Heiligendamm, das älteste Seebad Deutschlands. Wegen seiner Reihe weißer Villen am Strand heißt es „Weiße Stadt am Meer“. Kühlungsborn, Warnemünde und Zingst folgten, mit ihren Villen und Balkonen.
Um die Badegäste herzubringen, fuhr ab 1886 eine kleine Dampfbahn von Bad Doberan nach Heiligendamm, ab 1910 bis ins heutige Kühlungsborn. Der Molli fährt noch immer, das ganze Jahr über. In Bad Doberan rollt er mitten über die Straße, zwischen den Häusern hindurch. Am einfachsten parkt man den Van und nimmt den Zug.

Der Königsstuhl
Ein 118 Meter hoher weißer Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund, dessen Buchenwald auf der Welterbeliste steht. Seit 2023 führt ein Steg über den Felsen hinweg. Man parkt in Hagen, dann geht es mit dem Shuttlebus oder 3 Kilometer zu Fuß weiter.
Praktische Hinweise
- Wann hinfahren
- Juni bis August für den Strand, aber die Seebäder sind voll. Mai und September sind ruhiger; im Oktober ist Kranichzeit.
- Anfahrt
- Lübeck liegt eine Stunde von Hamburg entfernt. Stralsund liegt etwa drei Stunden von Berlin entfernt.
- Zugang
- Alles asphaltiert und für Wohnmobile befahrbar. Keine Maut, außer zwei gebührenpflichtigen Tunneln in Lübeck und Rostock. Die Brücke, die Zingst bei Barth mit dem Festland verbindet, wird zeitweise für Schiffe geöffnet.
- Im Van schlafen
- Campingplätze und Stellplätze an der ganzen Küste. In Mecklenburg-Vorpommern ist das Übernachten im Van anderswo verboten, und viele Strandparkplätze sind nachts für Wohnmobile gesperrt.
- Gut zu wissen
- In den meisten Seebädern wird eine Kurtaxe erhoben.
- Zeitbedarf
- Sechs Tage, dazu ein Tag für die Insel Rügen.

Was man nicht verpassen sollte
- 1Schloss BothmerDas größte Barockschloss Mecklenburgs, mit seiner zu Bögen geschnittenen Lindenallee.
- 2WismarDer Marktplatz und das Wassertor, das Tor zum Alten Hafen, 1922 in Nosferatu gefilmt.
- 3Der Grenzturm von KühlungsbornEin Wachturm der DDR-Grenztruppen, direkt am Strand.
- 4Das Doberaner MünsterDie Kirche eines ehemaligen Zisterzienserklosters, mit fast ihrer gesamten mittelalterlichen Ausstattung.
- 5Der Leuchtturm von WarnemündeEin Leuchtturm von 1898 am Strand, den man in der Saison besteigen kann.
- 6Das Ozeaneum in StralsundDas Meeresmuseum am Hafen, 2010 zum Europäischen Museum des Jahres gewählt.
Die deutsche Ostseeküste in Bildern



Der Leuchtturm von Warnemünde und der Teepott, vom Strand aus gesehen.
Die Küche an der Ostsee
Lübeck ist die Stadt des Marzipans: Niederegger stellt es seit 1806 her. In den Häfen isst man Fischbrötchen, belegt mit eingelegtem Hering oder Räucherfisch. Sanddorn, eine orange Beere, trinkt man als Saft oder isst ihn als Marmelade.
Zum Nachtisch gibt es Rote Grütze, ein Kompott aus roten Beeren mit Sahne. In Stralsund trägt die Störtebeker-Brauerei den Namen eines legendären Piraten. An der Küste trinkt man Köm, einen Kümmelschnaps.
Lübeck → Stralsund
+21Stopps- 1Holstentor · Marienkirche Lübeck · Heiligen-Geist-Hospital in Lübeck · Europäisches Hansemuseum
- 2Brodtener Ufer · Leuchtturm Travemünde · Museumsschiff Passat · Schloss Bothmer
- 3Wismar · Wassertor · Molli Museum · Seebrücke Kühlungsborn
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