Die Küsten der Bretagne, von Saint-Malo nach Vannes
Die Korsarenstadt, der rosa Granit, die Landspitzen des Finistère und die Menhire des Morbihan: fast achthundert Kilometer entlang der Küste, vom Ärmelkanal bis zum Atlantik, in acht Tagen.
Vom Ärmelkanal bis zum Atlantik
Diese Reise folgt der bretonischen Küste von Saint-Malo nach Vannes, von Landspitze zu Landspitze. Fast jeder Halt lässt sich mit einer Wanderung auf dem Zöllnerpfad verlängern. Im Norden, nach den Klippen von Cap Fréhel, reiht die Rosa Granitküste Felsblöcke in Form von Schildkröten, Hüten oder Burgen aneinander. Morgens und abends wird der Stein fast rot.
Rund um Morlaix lassen sich die umfriedeten Pfarrbezirke von Saint-Thégonnec und Guimiliau an einem Vormittag besichtigen. Im 16. und 17. Jahrhundert hat das Leinen diese Gemeinden reich gemacht, und sie haben einander mit Portalen, Kalvarienbergen und Beinhäusern übertrumpft. Dann kommt die Spitze des Finistère, das Ende der Welt. Auf der Halbinsel Crozon fallen die Klippen von Pen-Hir senkrecht in den Ozean ab. Die Pointe du Raz ragt mehr als siebzig Meter über den Strömungen des Raz de Sein auf; von dort sieht man die Île de Sein und den Leuchtturm La Vieille.
Locronan hat seinen Granitplatz und die Häuser seiner Segeltuchhändler unversehrt bewahrt. In Quimper überragt die Kathedrale Saint-Corentin eine Altstadt mit Fachwerkhäusern. Weiter südlich wird die Küste sanfter, bis zum Golf von Morbihan.

Die aufgerichteten Steine des Morbihan
In Carnac reihen sich fast dreitausend Menhire über etwa vier Kilometer. Sie wurden vor mehr als sechstausend Jahren aufgerichtet, in der Jungsteinzeit. Die Steinreihen bilden mehrere Gruppen, darunter Le Ménec, Kermario und Kerlescan, die einige hundert Meter auseinanderliegen. Die Straße führt an ihnen entlang, und man kann sie zu Fuß entlang der Zäune umrunden. Warum sie aufgerichtet wurden, weiß niemand so genau. Man spricht von einem Kalender, einem Kultort oder einer Gebietsgrenze, doch einen klaren Beweis gibt es nicht.
Weiter östlich, in Locmariaquer, misst der zerbrochene Große Menhir von Er Grah mehr als zwanzig Meter Länge. Er ist einer der größten Steinblöcke, die in der Jungsteinzeit je aufgerichtet wurden.
Die Megalithen von Carnac und an den Ufern des Morbihan gehören seit 2025 zum Welterbe der Unesco.
Jeden Morgen schaut man hier auf den Gezeitenkalender wie anderswo auf den Wetterbericht.
Saint-Malo, die Korsarenstadt
Saint-Malo wurde durch die Kaperfahrt reich. Mit einem Kaperbrief des Königs durften seine Korsaren feindliche Schiffe angreifen. Aus dieser Zeit hat die Stadt die großen Häuser ihrer Reeder behalten. Surcouf und Duguay-Trouin wurden hier geboren. Von hier brach auch Jacques Cartier 1534 in das Land auf, das einmal Kanada werden sollte.
1944 zerstörten Bomben und Brände vier Fünftel der Ville close, der ummauerten Altstadt. Sie wurde aus Granit wiederaufgebaut, im Stil ihrer alten Häuser, innerhalb der stehen gebliebenen Wälle. Die Gezeiten bestimmen alles: Der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser kann dreizehn Meter erreichen. Jeden Morgen schaut man hier auf den Gezeitenkalender wie anderswo auf den Wetterbericht. Bei Ebbe erreicht man zu Fuß die Insel Grand Bé, auf der Chateaubriand mit Blick aufs offene Meer begraben sein wollte.

Wald von Paimpont
Der Wald, den die Überlieferung mit dem Brocéliande der Artusromane gleichsetzt: die Quelle von Barenton, Merlins Grab, das Tal ohne Wiederkehr. Vor Ort Teiche, Eichen und Wege, die für einen Tag mehr als genügen.
Praktische Hinweise
- Wann hinfahren
- Juni und September, wegen des langen Lichts und ruhigerer Straßen. Juli und August sind mild, aber sehr voll; das Wetter wechselt zu jeder Jahreszeit schnell.
- Anfahrt
- Saint-Malo liegt eine Stunde von Rennes und vier Stunden von Paris; Fähren ab Portsmouth. Vannes liegt anderthalb Stunden von Nantes.
- Zugang
- Alles asphaltiert. Die Küstenstraßen sind langsam; zu den Landspitzen geht man zu Fuß von Parkplätzen, die im Sommer oft gebührenpflichtig sind.
- Im Van schlafen
- Zahlreiche Campingplätze entlang der ganzen Küste. In der Nähe der meisten großen Naturstätten ist nächtliches Parken verboten.
- Gut zu wissen
- Der Zöllnerpfad, der GR 34, führt rund um die Küste; er ist weiß-rot markiert.
- Zeitbedarf
- Acht Tage von Saint-Malo nach Vannes, zehn, um mit dem Boot nach Bréhat, Sein oder Belle-Île überzusetzen.

Was man nicht verpassen sollte
- 1Die Wälle von Saint-MaloDie Runde um die Altstadt zu Fuß und bei Ebbe der Grand Bé.
- 2Cap Fréhel und Fort La LatteKlippen aus rosa Sandstein, mehr als siebzig Meter hoch, und eine Burg direkt über dem Meer.
- 3Ploumanac’hDer Leuchtturm und die Blöcke aus rosa Granit, am Zöllnerpfad.
- 4Der Cairn von BarnenezEines der ältesten Bauwerke Europas, vor mehr als sechstausend Jahren über der Bucht von Morlaix errichtet.
- 5Die Pointe du RazDas Ende des Finistère, gegenüber der Île de Sein und einer der gefürchtetsten Passagen der Küste.
- 6Die Ville close von ConcarneauStadtmauern auf einer Insel mitten im Hafen, die man über eine Brücke erreicht.
Die Bretagne in Bildern



Das Fort La Latte, über dem Meer bei Cap Fréhel.
Die bretonische Küche
Crêpes isst man überall. In der Bretagne unterscheidet man die herzhafte galette aus Buchweizen von der süßen Crêpe aus Weizenmehl, und dazu trinkt man eine Schale Cidre. In Pont-Aven bezeichnet das Wort galette auch einen kleinen Butterkeks. In Douarnenez treibt der kouign-amann Butter und Zucker bis zum Karamell.
An der Küste die Austern aus Cancale zu Beginn der Reise und die aus dem Golf von Morbihan am Ende; dazwischen landen die Häfen von Le Guilvinec und Concarneau Langustinen und Fisch aus der Küstenfischerei an. Die Butter wiederum ist demi-sel, leicht gesalzen.
Saint-Malo → Vannes
- 1Remparts de Saint-Malo · Dinan · Fort la Latte · Cap Fréhel
- 2Paimpol · Tréguier · Phare de Ploumanac'h
- 3Cairn de Barnenez · Viaduc de Morlaix · Enclos paroissial de Saint-Thégonnec
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