Die Höga Kusten in Schweden, zwischen Härnösand und Örnsköldsvik
Am Bottnischen Meerbusen reihen sich an der Höga Kusten bewaldete Hügel, tiefe Buchten und rote Fischerdörfer. Eine viertägige Rundreise ab Härnösand, an einer Küste, die noch immer aus dem Meer steigt.
Eine Küste aus Buchten, Wäldern und roten Dörfern
Nördlich von Härnösand überquert die E4 den Ångermanälven auf der 1867 Meter langen Höga-Kusten-Brücke (Högakustenbron). Auf der anderen Seite reichen kieferbewachsene Hügel bis ans Meer, zwischen tiefen Buchten und Inseln. Das ist die Höga Kusten, auf Deutsch die Hohe Küste. Bald verlässt man die große Straße und fährt auf die kleinen Straßen der Halbinsel Nordingrå, an denen rot gestrichene Höfe stehen.
Ein Fischerdorf folgt auf das nächste: Barsta, Bönhamn, Norrfällsviken, mit ihren roten Hütten am Wasser. Im Sommer fährt ein Boot von Barsta oder Bönhamn nach Högbonden, einer kleinen Insel mit Leuchtturm. In Rotsidan säumen glatte Diabasplatten, vom Meer geschliffen, die Küste auf 4 Kilometern.
Weiter nördlich ragt der Skuleberget direkt an der E4 auf. Auf den Gipfel kommt man mit dem Sessellift, zu Fuß oder über einen Klettersteig. Gleich daneben beginnt der Nationalpark Skuleskogen. Die Runde führt hinauf bis Örnsköldsvik, am Fuß der Skisprungschanzen von Paradiskullen, und dann zurück nach Härnösand.

Ein Land, das aus dem Meer steigt
In Docksta fällt der 295 Meter hohe Skuleberget fast senkrecht zur E4 ab. An seinen Hängen findet man die Spuren eines alten Ufers auf 286 Metern Höhe: Es ist die höchste bekannte Uferlinie der Welt. In der letzten Eiszeit lag die Gegend unter einer fast 3 Kilometer dicken Eisschicht. Seit das Eis vor etwa 9600 Jahren geschmolzen ist, hebt sich das Land. Wegen dieses Phänomens wurde die Höga Kusten im Jahr 2000 in das UNESCO-Welterbe aufgenommen.
Die Küste steigt noch immer um etwa 8 Millimeter pro Jahr. Deshalb liegen alte Strände hoch über dem Meer mitten im Wald. Am deutlichsten sieht man das an den Geröllfeldern: Hänge voller runder Steine, die früher von den Wellen geschliffen wurden. Im Skuleskogen gibt es mehrere davon.
Der Park hat auch eine Besonderheit: Slåttdalsskrevan, eine Felsspalte, 200 Meter lang, 30 Meter tief und 7 Meter breit. Ein Diabasgang, weicher als der Granit um ihn herum, ist hier nach und nach erodiert. Seit Juni 2023 ist der Weg unten durch die Spalte wegen Steinschlags gesperrt. Ein Pfad verläuft oberhalb der Spalte.
Die Küste steigt noch immer um etwa 8 Millimeter pro Jahr.
Heringsfischer und Holzarbeiter
Jahrhundertelang kamen Fischer aus Gävle, weiter im Süden, jeden Sommer herauf, wegen des Ostseeherings. Sie bauten die Häfen mit den roten Hütten, die man heute noch sieht. Auf der Insel Ulvön ist die Holzkapelle von Ulvöhamn aus dem Jahr 1622 eine der ältesten Fischerkapellen der Küste.
Im Landesinneren lebte das Tal Ådalen vom Holz und den Sägewerken. Am 14. Mai 1931 schoss in Lunde das Militär auf Arbeiter, die gegen Streikbrecher demonstrierten: fünf Tote. Das Ereignis erschütterte ganz Schweden. Nicht weit davon hielt die 1943 eröffnete Sandöbrücke bis 1964 den Rekord für den längsten Betonbogen der Welt. Während des Baus, 1939, stürzte ihr Lehrgerüst ein: 18 Arbeiter starben.

Stenstan
Im Juni 1888 zerstört ein Brand das Zentrum von Sundsvall. Danach erlaubt die Stadt nur noch Stein. Die Holzhändler bauen dort Häuser mit Türmchen: Das ist Stenstan, die „Steinstadt“.
Praktische Hinweise
- Wann hinfahren
- Von Mitte Juni bis Mitte August, wenn Boote, Museen und Cafés geöffnet haben. Im September schließt vieles.
- Anfahrt
- Härnösand liegt etwa fünf Stunden von Stockholm entfernt, über die E4. Der Flughafen Sundsvall-Timrå liegt 32 Kilometer südlich von Härnösand.
- Zugang
- Asphaltierte Straßen, eng auf der Halbinsel Nordingrå, einige Schotterpisten. Abblendlicht ist auch tagsüber Pflicht.
- Im Van schlafen
- Campingplätze in den Fischerdörfern und in Stadtnähe. Ob man auf den Parkplätzen der Naturreservate übernachten darf, zeigen die Schilder.
- Gut zu wissen
- Für den Skuleskogen ist der Westeingang, ab der E4 ausgeschildert, am einfachsten. Das Boot nach Högbonden muss man reservieren.
- Zeitbedarf
- Vier Tage für die Runde, einen mehr für die Insel Ulvön.

Was man nicht verpassen sollte
- 1Die Höga-Kusten-BrückeEine Hauptspannweite von 1210 Metern über dem Ångermanälven.
- 2RotsidanGlatte Diabasplatten am Meer, barfuß zu erkunden.
- 3HögbondenEine Leuchtturminsel, eine Viertelstunde mit dem Boot, im Sommer mit Café.
- 4Der Gipfel des SkulebergetDer Blick über die Schären, nach dem Sessellift oder dem Klettersteig.
- 5SlåttdalsskrevanEine Spalte im roten Granit, mitten im Skuleskogen, von oben gesehen.
- 6MannaminneDas Freilichtmuseum von Anders Åberg in Nordingrå: über 50 Gebäude, von hier und anderswo.
Die Höga Kusten in Bildern



Slåttdalsskrevan, der Gang zwischen zwei Wänden aus rotem Granit. Der Weg unten durch die Schlucht ist seit Juni 2023 gesperrt; heute sieht man sie von oben.
Die Küche der Höga Kusten
Gegessen wird vor allem Strömming, der Ostseehering: gebraten, eingelegt oder geräuchert. Das bekannteste Gericht ist der Surströmming von Ulvön, ein fermentierter Hering mit sehr starkem Geruch. Man öffnet die Dose draußen und isst den Fisch dann mit Tunnbröd, einem Fladenbrot, Kartoffeln und Zwiebeln.
Zum Nachtisch gibt es Moltebeeren, orange Beeren aus dem Norden, als Marmelade auf Eis oder Waffeln. Und überall trinkt man Kaffee mit einer Kanelbulle, der Zimtschnecke.
Rundreise ab Härnösand
+11Stopps- 1Härnösands domkyrka · Högakustenbron · Mannaminne · Nordingrå
- 2Rotsidan · Barsta · Norrfällsviken · Ullångers kyrka
- 3Skuleberget · Slåttdalsskrevan · Paradiskullen
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