Der innere Alentejo, von Évora bis zu den Mauern von Marvão

Südlich des Tejo liegt der innere Alentejo: Ebenen voller Korkeichen, weiße Dörfer auf ihren Hügeln, Festungen mit Blick nach Spanien. Sechs Tage als Rundreise ab Évora, über den Guadiana, den Alqueva-Stausee und den Grat von Marvão.

Portugal
Weite Landschaften Abseits der Wege 4–6 Tage Zu zweit Frühling
Monsaraz bei Sonnenuntergang: das weiße Dorf in seinen Mauern, der Bergfried und in der Ferne der Alqueva-Stausee.
Monsaraz bei Sonnenuntergang: das weiße Dorf in seinen Mauern, der Bergfried und in der Ferne der Alqueva-Stausee.

Ebenen, weiße Dörfer und Burgen

Alentejo heißt „jenseits des Tejo“. Man fährt hier lange durch den montado: Korkeichen, so weit verstreut wie in einer Savanne. Nur hier und da taucht oben auf einem Hügel eine weiße Stadt mit ihrer Burg auf. Man parkt unterhalb der Mauern, geht zu Fuß hinauf und fährt dann weiter.

Im Süden der Runde thront Mértola über dem Guadiana, dort, wo er nicht mehr schiffbar ist. Seine Kirche ist eine ehemalige Moschee aus dem 12. Jahrhundert, in der man noch den Mihrab sieht. An der Straße nach Serpa hat die Mine von São Domingos, von 1858 bis 1966 von einer englischen Gesellschaft betrieben, eine saure Lagune und rote Erde hinterlassen.

Im Osten der Runde liegt der Stausee von Alqueva. Die Schleusentore der Talsperre wurden am 8. Februar 2002 geschlossen; in acht Jahren wurde daraus der größte künstliche See Westeuropas. Nachts beobachtet man hier die Sterne: 2011 wurde Dark Sky Alqueva das weltweit erste Starlight-Reiseziel. Seine Sternwarte in Cumeada bei Monsaraz ist für Besucher geöffnet.

Der römische Tempel von Évora, seine korinthischen Säulen auf dem Podium und dahinter der Turm der Kathedrale.

Évora und der Cromlech von Almendres

Évora ist der Ausgangspunkt der Runde. Die Altstadt ist seit 1986 Welterbe, und 2027 wird die Stadt Kulturhauptstadt Europas. Von ihrem römischen Tempel sind vierzehn Säulen mit Kapitellen aus dem Marmor von Estremoz erhalten. Lange hieß es, er sei Diana geweiht. Diese Legende stammt aus dem 17. Jahrhundert: Wahrscheinlicher diente der Tempel dem Kaiserkult.

Der Hauptplatz ist nach Geraldo Sem Pavor benannt, „Gerald dem Furchtlosen“, der den Mauren 1165 die Stadt entriss. In der Kirche São Francisco warnt die Knochenkapelle schon am Eingang: „Wir Knochen, die hier liegen, warten auf die euren.“

Rund fünfzehn Kilometer von der Stadt entfernt stehen im Cromlech von Almendres etwa 95 Granitmonolithen, in Ellipsen angeordnet. Das ist die größte Menhiranlage der Iberischen Halbinsel. Die ältesten reichen ins 6. Jahrtausend v. Chr. zurück, lange vor Stonehenge, doch identifiziert wurde die Anlage erst 1964. Die Ausrichtung nach der Sonne, die man diesen Steinen nachsagt, ist umstritten. Im Abendlicht sind die Steine am schönsten.

Jahrhundertelang haben diese Festungen die Grenze verteidigt.

Die Burgen an der Grenze

Der innere Alentejo grenzt an Spanien: Deshalb gibt es hier so viele Burgen. Jahrhundertelang haben diese Festungen die Grenze verteidigt. Über dem See liegt Monsaraz, ein befestigtes Dorf mit weißen Häusern. In seinem einstigen Gerichtssaal sieht man ein um 1500 gemaltes Fresko: der gute Richter gegenüber dem Richter mit zwei Gesichtern. In Vila Viçosa steht der Palast der Herzöge von Braganza, die 1640 Könige wurden. Von hier brach König Carlos I. am 1. Februar 1908 nach Lissabon auf, wo er noch am selben Tag ermordet wurde.

Weiter nördlich, gegenüber von Badajoz, ist Elvas vom größten System bastionierter Befestigungen mit Trockengräben der Welt umgeben. Marvão liegt hoch auf einem Quarzitgrat, auf über 850 Metern.

Am Pulo do Lobo brodelt der Guadiana zwischen dunklen Schieferplatten.

Pulo do Lobo

Mértola, Alentejo · 35 Minuten von Serpa

Hier zwängt sich der Guadiana in eine Schieferschlucht, so schmal, dass ein Wolf sie der Legende nach mit einem Satz überspringen konnte – daher der Name, „Wolfssprung“. Der Wasserfall zählt zu den höchsten im Süden Portugals. Die letzten zwei Kilometer sind Erdpiste; am meisten Wasser führt der Fluss nach den Winterregen.

Praktische Hinweise

Wann hinfahren
März bis Mai, dann Oktober. Im Sommer klettern die Spitzenwerte rund um Beja über 40 °C.
Anfahrt
Von Lissabon nach Évora anderthalb Stunden, von Badajoz nach Elvas eine Viertelstunde.
Zugang
Alles asphaltiert, außer den Pisten nach Almendres und zum Pulo do Lobo. In den befestigten Dörfern parkt man vor den Mauern.
Im Van schlafen
Stellplätze vor den Toren mehrerer Städte und Dörfer, darunter Monsaraz. In Schutzgebieten und Natura-2000-Gebieten übernachtet man nur auf zugelassenen Plätzen. Anderswo darf man höchstens 48 Stunden in derselben Gemeinde bleiben, sofern keine strengere Gemeinderegel gilt.
Gut zu wissen
Den Herzogspalast von Vila Viçosa besichtigt man nur mit Führung; montags geschlossen, außerhalb von Juli und August auch dienstagvormittags.
Zeitbedarf
Sechs Tage für die Runde, etwa 640 km; eine Woche, um am See zu verweilen.
Die Burg von Marvão auf ihrem Quarzitsporn, über einem Buchsbaumgarten.
Die Burg von Marvão auf ihrem Quarzitsporn, über einem Buchsbaumgarten.

Was man nicht verpassen sollte

  1. 1Der Cromlech von AlmendresEine Ellipse aus Menhiren unter den Eichen, bei Sonnenuntergang.
  2. 2Die KnochenkapelleTausende Schädel und Knochen, um 1600 auf Betreiben dreier Franziskaner aufgereiht.
  3. 3Die Mine von São DomingosEine saure Lagune, rote Abraumhalden und eine Arbeitersiedlung.
  4. 4Die Burg von MonsarazEine Arena im Mauerring und der Alqueva-Stausee, so weit das Auge reicht.
  5. 5Die Burg von MarvãoEin Wehrgang auf dem Quarzitgrat, mit Blick nach Spanien.
  6. 6Die Synagoge von Castelo de VideEine der beiden mittelalterlichen Synagogen Portugals, mitten in der Judiaria, dem alten Judenviertel.

Der innere Alentejo in Bildern

Der Cromlech von Almendres: ein Steinblock im Vordergrund, dahinter das Menhir-Oval unter den Eichen.

Die Küche des Alentejo

Die alentejanische Küche macht aus wenig viel: die açorda, eine Brotsuppe mit Knoblauch und Koriander, in der man ein Ei pochiert, die migas, das Lammragout. Das schwarze Schwein, mit Eicheln gemästet, liefert den Schinken von Barrancos; der Käse aus Serpa wird mit Distelblüten dickgelegt.

Rund um Vidigueira entsteht der Talha-Wein noch heute in Tonkrügen, wie zur Zeit der Römer, und am Martinstag werden die Krüge geöffnet. Abends stimmen in den Tavernen von Serpa bisweilen Männer den cante alentejano an, einen mehrstimmigen Gesang, seit 2014 immaterielles Kulturerbe der Unesco.

Zu diesem Artikel gehört eine Route

Rundreise ab Évora

6 Tage 634 km ≈ 12 h Fahrt
Die Etappen
  1. 1Cromeleque dos Almendres · Templo romano de Évora · Sé Catedral de Évora · Capela dos Ossos
  2. 2Sítio Arqueológico de São Cucufate · Castelo de Beja · Castelo de Mértola
  3. 3Mina de São Domingos · Castelo de Serpa · Barragem de Alqueva · Castelo de Monsaraz
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